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Der Umgang mit dem Neuen - oder Bildung neu gedacht

Der Umgang mit dem Neuen - oder Bildung neu gedacht

(Zusammenfassung des Referats von Ranga Yogeshwar anlässlich der 6. Bildungskonferenz der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal, angereichert mit Gedanken von CYP)

Jeden Tag werden 20‘000 neue wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und alle 3 Minuten irgendwo auf der Welt eine neue chemische Substanz synthetisiert. Dieser unglaubliche Informationszuwachs, der bis dato so noch nie stattgefunden hat, wird wohl auch Auswirkungen auf unsere Bildung haben.

Was passiert im Zeitalter in dem ein epochaler Umbruch stattfindet - eingeleitet durch die digitale Revolution? Und noch mehr, wie organisieren wir Bildung in einer Zeit, in der sich sehr viel schlagartig verändert?

Läuft in unserem System etwas schief?

Die Zahl der Schulabbrecher in Deutschland betrug in den letzten zehn Jahren 627'400 Schülerinnen und Schüler. Der Ritalinkonsum betrug vor 20 Jahren in Deutschland ganze 4 kg - heute werden jährlich 2 Tonnen Ritalin verbraucht (220'000 Lernende schlucken jeden Tag Ritalin, um besser zu lernen...). In Deutschland werden jedes Jahr gegen 2 Milliarden Euro (!) für Nachhilfestunden ausgegeben.

Auch wenn die oben erwähnten Zahlen von Deutschland stammen, so zeigt sich wohl ein ähnliches Bild in der Schweiz.

Läuft da etwa etwas schief in unserem System?

Warum sollen sich zum Beispiel Lernende am Dienstag um 11 Uhr für Mathematik und am Mittwoch um 15 Uhr für Französich interessieren? Natürlich braucht unsere Schule ein System, doch ist es noch zeitgemäss, das Interesse von Lernenden in ein System zu pressen? Im heutigen Setting wird von jungen Menschen Diziplin erwartet und die jungen Menschen haben sich für gewisse Fächer zu interessieren. Dabei wird nach möglichst guten Noten, Punkten oder ganz allgemein nach "Credits" gestrebt. Anstatt um Lernorientierung geht es um Leistungsorientierung.

Ist das der richtige Weg? Versuchen wir mit allen Mitteln ein Schulbildungssystem zu erhalten, anstatt es neu zu erfinden und ändern?

Eines steht auf alle Fälle fest: Wir müssen uns von gewissen Vorstellungen verabschieden:

Lernen ist kein linearer Prozess – und so sind die Lernkurven auch unterschiedlich!

Wenn dem wirklich so ist, müssen wir uns fragen ob wir heutzutage ein System haben, dass sich an die unterschiedlichen Lernkurven adaptiert? Oder ist es nicht vielmehr so, dass sich die Jugendlichen an ein System adaptieren müssen? Muss Bildung vielleicht ganz anders organisiert werden? Und wenn ja, wie?

Die digitale Welt - das Internet - kann uns Lösungsansätze bieten: Zum Beispiel: https://de.khanacademy.org/ mit 159‘000‘000 Unterrichtseinheiten! Probieren sie es gleich einmal aus und lernen sie ganz individuell, was eine Funktion ist oder wie mit negativen Zahlen gerechnet wird. Und auch sie werden am Schluss feststellen, es macht Spass und ist kostenlos. Dieses System ist übrigens eines der erfolgreichsten Systeme in der USA. Oder kennen sie https://www.edx.org/ oder https://www.coursera.org/. Auf diesen Plattformen können sie sich individuell und online zu ganz unterschiedlichen Themen weiterbilden. Braucht das heutige Bildungssystem nicht vielmehr ein System, welches individuelle fördern, begleiten und motivieren kann?

Wir leben in einer Zeit, in der versucht wird ein Schulbildungssystem zu erhalten – anstatt es neu zu erfinden und zu ändern. Wenn ein (digitaler) Nährboden geschaffen wird, der es den jungen Leuten ermöglicht, einen sinnlichen, direkten, persönlichen und individuellen Lernprozess zu wählen, dann sind wir einen grossen und deutlichen Schritt weiter. Statt nach dem Prinzip des Nürnberger Trichters Unmengen von Wissen in die Schüler hineinzupressen, sollten die Lernpläne radikal reformiert und entschlackt werden und den Lehrkräften die nötigen Freiheiten eingeräumt werden. Zudem braucht es für die Lernenden und die Lehrkräfte neue Kompetenzen: Die Kompetenz die neuen Medien zu bedienen und individuell anzupassen.

Genau hier setzt CYP an

CYP - Der Umgang mit dem Neuen - oder Bildung neu gedachtCYP versucht diese Erkenntnisse im Bildungskonzept einzubauen und im neuen "Learning Design" der Fachkurse umzusetzen. Dabei soll durch den Einsatz von praxisnahen Fällen, ein individuelles, dem Lerntempo angepasstes Lernen möglich sein. So soll nachhaltiges und individuelles Wissen aufgebaut werden und zwar gerade dann, wenn es für die Lernenden relevant ist. Durch die enge Begleitung der CYP-Ausbildenden wird ein starker Fokus auf die Lernprozessbegleitung und die Selbststeuerung gelegt. In diesem Rahmen ist es möglich, ehrliche Fragen zu stellen und einen individuellen (Forschungs-) Weg zu beschreiten. Alle Erkenntnisse werden auf digitalen Plattformen gespeichert, können verglichen und ausgetauscht werden. Der Lernende durchläuft seinen Lernprozess individuell und kooperativ (mit anderen Lernenden zusammen), reflektiert diesen und kann am Schluss stolz auf sein Resultat sein.

Zum Schluss noch dies: Bildung ist etwas, was am Ende in der Seele der jungen Menschen ankommt.