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6 Irrtümer beim digitalen Lernen und Lehren

6 Irrtümer beim digitalen Lernen und Lehren

In Beratungen mit Bildungsinstituten und Schulen, welche den Einsatz von digitalen Medien in der Ausbildung erwägen, höre ich immer wieder ähnliche Vorbehalte. Nachfolgend möchte ich die häufigsten Argumente gegen den Einsatz digitaler Medien im Lernsetting aufzeigen und darlegen. Meiner Meinung nach spricht eigentlich nichts gegen den Einsatz von digitalen Medien.

Die Lernenden können schon alles

Digital Natives

Kinder und Jugendliche werden heutzutage als „Digital Natives“ bezeichnet. Es wird gesagt, sie können schon alles – sie haben den Umgang mit digitalen Medien, sozusagen mit der Muttermilch aufgenommen. Die geborenen Experten in der Anwendung von digitalen Medien also, die keine Unterstützung darin mehr benötigen. Wirklich?



Machen wir doch einmal einen Test: Wie kann man eine Datei heute aus dem Internet runterladen und morgen auf Computer wieder finden? Was ist der Unterschied zwischen einer Dokumenten- und einer Formatvorlage im Word? Wie erstellt man eine Kalkulation mit Excel? Wahrscheinlich würden die „Digital Natives“ bei diesem Test kläglich versagen.

Genauso gut könnte man sagen, dass Kinder und Jugendliche die deutsche Sprache schon von alleine her beherrschen. Trotzdem aber lernen sie 12 oder mehr Jahre Deutsch in der Schule, obwohl Deutsch die Muttersprache ist. Aber die Kompetenzen wie Textanalyse, kreatives Schreiben etc. müssen erst noch erworben bzw. gelernt werden. Genau gleich steht es um die Medienkompetenz resp. den Umgang mit den digitalen Medien. Wichtig ist es, dass man nicht nur WhatsApp & Co beherrscht, sondern über die Kompetenzen verfügt, wie man die digitalen Medien als Mehrwert integriert im Lernprozess und später auch im Arbeitsprozess einsetzen kann.

Die Schule ist nicht zuständig

Basierend auf den obigen Aussagen, ist es genau deshalb die Schule, die zuständig ist, den Jugendlichen den Umgang mit den digitalen Medien zu lehren. Die Schule hat doch den Auftrag, Lernende so zu fördern, dass sie zu mündigen, selbstbestimmenden Menschen heranwachsen. Da gehört in der digitalen Welt das Wissen über Datenschutz, Nutzung von Clouds, Umgang mit persönlichen Daten auf Social Medias etc. dazu. Und deshalb muss die Schule diese Aufgabe wahrnehmen.

Schule

Digitale Medien erleichtern das Lernen

Lernen

Mit oder ohne digitale Medien – Lernen bleibt gleich schwer oder einfach – Lernen ist individuell.

Manchmal wird es sogar schwieriger, wenn Medien eingesetzt werden, z.B. im Fach Mathematik. Früher lernte ich das Rechenverfahren ohne einen Taschenrechner. Heutzutage mit dem Taschenrechner lerne ich zwar auch noch das Rechenverfahren, aber ich habe dank des Rechners, der mir das Rechnen abnimmt, nun freie Kapazitäten für

höhere kognitive Prozesse (Analyse, Beurteilung der Ergebnisse etc.). Rechnen kann der Computer und beurteilen der Mensch. Lernen wird somit eher schwieriger, weil man jetzt Dinge machen kann, die einen höheren Wert resp. Schwierigkeitsgrad haben.

Auch das Video-Lernen ist nicht unbedingt eine Vereinfachung. Es begünstigst zwar das Lernen bzw. unterstützt den Lernprozess. Aber das Anwenden des Wissens muss weiterhin stattfinden.

Man kann also sagen, dass Lernen nicht unbedingt leichter wird, aber anders.

Digitale Medien lösen analoge Medien ab

Es gibt nicht zwangsweise eine Ablösung, sondern die digitalen Medien kommen zu den analogen Medien hinzu. Wichtig ist, dass das Medium - egal, ob analog oder digital - einen Mehrwert für den Lernenden generiert. Nur dieser Mehrwert sollte das ausschlaggebende Kriterium für einen möglichen Einsatz im Unterrichtssetting sein.

Medien

Zeit, die ich heute in digitale Medien stecke, spare ich später

Zeit

Oftmals geht man fälschlicherweise davon aus, dass die Erstellung eines Worddokumentes oder einer eLearning-Einheit eine einmalige Sache sei, sprich ich nur einmal Zeit investieren muss. Einmal gemacht und nie mehr wieder. Das ist ein Trugschluss!

Die Technik ändert sich immer wieder. Wenn ich als Lehrperson an der Lehrqualität und Qualität des Unterrichts interessiert bin, dann habe ich immer einen Mehraufwand, egal ob analog oder digital, um mein Material „up-to-date“ zu halten (sei dies nun technisch oder inhaltlich). Dies ist aber grundsätzlich ein Anspruch an sich selber.

Ich kann das nicht

Ich denke, die Aussage „ich kann das nicht“ ist nicht korrekt. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste Chinesisch lernen, würde ich aber wahrscheinlich dieselbe Aussage machen. Ich glaube, es müsste eher heissen, will ich das? Denn die Fähigkeit, Chinesisch zu lernen, die besitze ich.

Nicht jeder muss die Frage „will ich das?“ mit „Ja“ beantworten. Genauso müssen auch nicht immer zwangsweise digitale Medien eingesetzt werden. Die Frage ist hier vielmehr, welchen Mehrwert digitale Medien im Unterricht generieren und ob sich nicht gerade deswegen ein Einsatz lohnt.

Frage

Wenn man mit „Ja“ auf die Frage antwortet, ob man digital lernen möchte, ändert sich doch einiges. Zur Erstellung und dem persönlichen Einarbeiten in die digitalen Medien wird mehr Vorbereitungszeit benötigt. Dies setzt auch voraus, dass man Lust hat, sich auf Neues einzulassen, gerne experimentiert und Mut hat, Fehler zu machen und sie zu tolerieren. Man muss also auch eine Haltungsänderung vornehmen. Auch einmal selber in die Rolle des Lernenden schlüpfen und sich etwas erklären lassen (wer weiss, vielleicht sogar von einem seiner eigenen Schülern).

Konnten meine Ausführungen Ihre Vorbehalte entkräften?

CYP setzt schon seit 2012 digitale Medien in der Ausbildung ein. Uns ist es wichtig, dass der oben erwähnte Mehrwert generiert werden kann, der früher nicht machbar war. Ebenfalls verfolgen wir damit das Ziel, die Medienkompetenz der Lernenden zu erhöhen und sie so fit für die Arbeitswelt von morgen (oder sogar schon von heute?) zu machen.

Lust, auch einmal selber die digitalen Medien in der eigenen Ausbildung einzusetzen? Wir unterstützen Sie gerne dabei.
Unter cyp-going-digital.ch finden Sie weitere Informationen.