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Arbeitsplatz: Nicht super toll, aber meiner

Arbeitsplatz: Nicht super toll, aber meiner

1. Die Diskussion reisst nicht ab

Die Diskussion über flexible Arbeitsmodelle, Arbeitszeiten und Arbeitsplätze reisst nicht ab. Die Bedürfnisse der aktuellen und der nächsten Generationen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie neue Organisationsstrukturen sind Treiber dieser Debatte. Geprägt ist die Auseinandersetzung von gegenteiligen Meinungen, was richtig oder was falsch ist und Überlegungen, was für das Arbeiten im 21. Jahrhundert sinnvoll sein könnte. Meine Gedanken zu dieser Debatte habe ich vergangenen April an derselben Stelle platziert. In der Zwischenzeit haben sich der Ton und das Gedankengut in dieser Diskussion nicht gross verändert. Arbeitsplatzkulturen mit sogenannter Vertrauensarbeitszeit werden skizziert und die Vorbehalte der Gegenseite angeführt, bestärkt oder entkräftet. Selten jedoch wird darauf fokussiert, was einen guten Arbeitsplatz ausmacht.

2. Mit wenigen Clicks die Welt erreichen

Wie sehen die Orte aus, an denen man gerne und gut arbeitet? Um der Antwort auf die Spur zu kommen, habe ich mich bei unseren Mitarbeitenden einmal etwas genauer umgehört und mir Fotos ihrer Arbeitsplätze zukommen lassen. Bei CYP gilt grundsätzlich Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort, sofern es für die entsprechende Tätigkeit sinnvoll ist.

So heterogen wie unsere Mitarbeitenden, so vielseitig waren die Fotos, welche ich erhalten habe. Das Spektrum reichte von Küchentischen, über Wohnzimmertische, private Büros mit Regenbogen-Pony-Tasse und Gartenblick bis hin zur Parkbank mit Seeblick und einer Blockhütte in Kanada. Selbstverständlich durften Bilder aus den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht fehlen (auch wenn ein Kollege mangels Fahrtgelegenheit seinen Arbeitsplatz auf dem Zürichsee-Schiff nicht fotografieren konnte).


Die Arbeitsplätze sind in den Augen der Mitarbeitenden inspirierend. Dies ist besonders dann der Fall, wenn der Blick ins Grüne (oder aktuell ins Weisse) möglich ist oder man bei Bedarf den Austausch mit Mitmenschen pflegen kann. Auch schätzen die Mitarbeitenden die Tatsache, dass man mit einem Klick die ganze Welt erreichen oder zwischendurch dank Blickkontakt die Bedürfnisse der Tochter erkennen kann, sollte sie gerade am selben Küchentisch ihre Hausaufgaben erledigen. Ein Arbeitsplatz mitten im Leben und mit der Möglichkeit, den Puls des (Familien- und Berufs-)Lebens zu spüren.

Die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen, welche motivierend wirken und zu Höchstleistungen animieren, sind ganz unterschiedlich. Die Möglichkeit den Kopf durch Fitnesstraining über Mittag zu lüften, ist ebenso beliebt wie die Zugfahrt für administrative Tätigkeiten oder Lektürestudium nutzen zu können. Das Arbeiten im öffentlichen Verkehr trägt zudem dazu bei, dass Mitarbeitende mehr Zeit mit ihren Familien und Freunden verbringen oder Hobbies in anderen Landesteilen nachgehen können. Der Weg nach Basel, ins Wallis oder die Niederlande kann dabei sinnvoll genutzt und der Arbeitszeit angerechnet werden.

Im Winter ist es zudem ein geschätzter Luxus, nicht bei bitterkalten Temperaturen das Haus verlassen und die Arbeit seinem zirkadianen Rhythmus anpassen zu können. Gleichzeitig kann die Atmosphäre des zentralen Firmenbüros ebenfalls dazu beitragen, eingebettet in ein soziales Umfeld, produktiv zu arbeiten.

3. Nicht super toll, aber meiner

Aus den genannten Gründen ist es in meinen Augen nicht wichtig wo gearbeitet wird, sondern wie der Arbeitsplatz auf die Bedürfnisse der Aufgabe und des Arbeitsnehmers abgestimmt ist. Was braucht es, damit ein Mitarbeiter die gesetzten Ziele erreichen, sich konzentrieren, kreative Ideen generieren oder Routinearbeiten abwickeln kann? Die einen brauchen einen ordentlich aufgeräumten Arbeitsplatz, andere fühlen sich wohl im organisierten Chaos. Ein Büro in der eigenen Wohnung und die Gewissheit, dass einige Treppenstufen entfernt ein warmes Essen auf sie wartet, beflügelt die einen, der Blick auf den Zürichsee die anderen. Meiner Meinung nach bringt es ein Arbeitskollegen am besten auf den Punkt, wenn er über seinen Arbeitsplatz sagt: „Supertoll ist er nicht, aber es ist meiner!“. Es ist sein persönlicher Arbeitsplatz und er mag in den Augen Aussenstehender nicht super toll sein, für ihn jedoch schon. Deshalb an dieser Stelle mein Aufruf: Lösen wir uns von richtig oder falsch und überlegen uns, was hilft, die Unternehmensziele und die Ziele der jeweiligen Aufgabe zu erreichen. Wie muss der Arbeitsplatz gestaltet sein, damit er unterstützt und den eigenen persönlichen Bedürfnissen entspricht? Das soll die Frage sein!