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Eine gesunde Kulturentwicklung durch Achtsamkeit – Teil 1

Eine gesunde Kulturentwicklung durch Achtsamkeit – Teil 1

Damit wir uns in einer immer komplexer werdenden und temporeicheren Welt mit ihren wachsenden alltäglichen Herausforderungen auch wirklich psychologisch empowert [1] fühlen, braucht es eine differenzierte und wache Wahrnehmung. Sie soll uns helfen zu erkennen, was in uns und um uns passiert, und wie wir mit den Geschehnissen interagieren und darauf reagieren. Sozusagen ein Selbst-Bewusstsein oder einfach ausgedrückt; die Fähigkeit, bewusst zu beobachten ohne zu bewerten, also achtsam zu sein.

Wie nötig eine achtsame Grundhaltung ist, zeigt die Geschichte von Sandra Schoch [2] sehr eindrücklich:

Stellen Sie sich vor, es ist ein warmer Sommertag.
Sie laufen entspannt durch den Wald, Vögel zwitschern, der Wald duftet nach Moos und saftigem Grün. Auf einer kleinen Lichtung treffen Sie auf einen Mann, der betriebsam daran arbeitet, einen Baum zu fällen.

«Was machen Sie da?», fragen Sie.
«Das sehen Sie doch», antwortet dieser ungeduldig, «ich säge diesen Baum um.»
«Sie sehen erschöpft aus! Wie lange sind Sie denn schon dran?»
«Was fragen Sie so blöd? Über fünf Stunden, wenn Sie es unbedingt wissen wollen,» antwortete er, «und ich bin k.o.! Das ist harte Arbeit.»
Nach einem kurzen Blick auf die stumpfe Säge fragen Sie, etwas eingeschüchtert ob der groben Antwort, aber dennoch neugierig:
«Warum machen Sie dann nicht einfach Pause und schärfen die Säge? Ich bin sicher, dass es dann viel schneller ginge.»
«Dafür habe ich keine Zeit», ruft der Mann erregt, «ich hab’ genug damit zu tun, diesen Baum umzusägen!»

Eine gesunde Kulturentwicklung durch Achtsamkeit – Teil 1

Nicht achtsam mit sich und seinem Gegenüber umzugehen, kann auf die Dauer gefährlich, ja sogar destruktiv sein. Wertvolle Energien und Ressourcen verpuffen und viel schlimmer noch, stressbedingte Krankheitsbilder wie Verspannungen, Ermüdungserscheinungen oder sogar Burnouts häufen sich.

Im Vergleich zur östlichen Welt ist die Achtsamkeitsthematik bei uns erst seit kurzem wirklich „salonfähig“. Durch meine gemachten Erfahrungen mit Achtsamkeit und deren positiven Auswirkungen sowie durch die intensive Auseinandersetzung mit dieser Thematik anlässlich von Weiterbildungen, bin ich überzeugt, dass sich die Achtsamkeit in unseren Breitengraden mittlerweile einer grossen Anhängerschaft erfreut. Die Menschen spüren genauso wie ich, dass das Aneignen einer achtsamen Grundhaltung tatsächlich ein Schlüssel zum persönlichen Glück ist. Sei dies durch die gewonnene Gelassenheit, bewusstere und somit stimmigere Entscheidungen, Zufriedenheit oder durch das gesteigerte Wohlbefinden. Und es ist kein Geheimnis, wenn es den Mitarbeitenden gut geht, geht es dem Unternehmen gut. „Win Win“ für alle!

Die Stärkung der Achtsamkeit hat noch weitere positive Effekte. Sie unterstützt beispielsweise die psychische Widerstandskraft, auch bekannt als Resilienz oder „Antifragilität“, um den Begriff von Nassim Taleb und seinem gleichnamigen Buch [3] zu verwenden – der Fähigkeit aus einer erlebten Herausforderung gestärkt hervorzugehen und ein positives Entwicklungsergebnis zu erzielen (Kompetenz).

Doch was ist Achtsamkeit nun wirklich?!

Achtsamkeit ist die natürliche Fähigkeit, Emotionen, Gefühle und Körperlichkeit im Moment wahrzunehmen, dabei beobachtend und nicht wertend zurückzutreten, um dann aus einer Weite heraus bewusst handeln zu können.

Dies bedeutet,...
... dass Sie in wahrnehmender Aufmerksamkeit ganz im Moment sind;
... dass Sie sich aktiv entscheiden können, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken, damit Sie sich für das ständig wandelnde Erleben des Lebens öffnen können;
... dass Sie Ihre "eingefleischten" Denk- und Handlungsgewohnheiten erkennen, um neuem Denken und neue Handlungsmöglichkeiten Raum zu geben. Sie lernen so, alte Muster und Gewohnheiten zu durchbrechen;
... dass Sie offen und neugierig bleiben;
... dass Sie Prozesse erkennen und möglichst frei von Bewertung benennen können. [4]

Achtsamkeit führt zu einer höheren Produktivität, Zufriedenheit am Arbeitsplatz sowie Problemlösefähigkeit. Dies ist auch wissenschaftlich erwiesen:

Als ein Gesundheitsvorsorge-Unternehmen in den USA 2012 für seine Angestellten ein Achtsamkeits- und Yoga-Programm einführte, stellte ein projektbegleitendes Team der Duke University fest, dass nicht nur die Gesundheitskosten um sieben Prozent sanken, sondern dass die Angestellten auch ihre Produktivität um fünfundsechzig Minuten pro Tag steigerten. Entsprechend fand man durch Forschungsprojekte an der INSEAD Business School heraus, dass schon fünfzehn Minuten Achtsamkeitsmeditation pro Tag zu rationalerem Denken und besseren Geschäftsentscheidungen führten. Achtsamkeit fördert zudem die Kreativität, die Konzentration und die Fähigkeit, intensiv nachzudenken. [5]

Durch die Achtsamkeitspraxis ist man generell körperlich und geistig gesünder. Dies führt unter anderem zu sinkendem Blutdruck, Linderung chronischer Schmerzen, Verbesserung der Schlafqualität, Regulierung des Appetits, Stärkung des Herz-Kreislauf-System, der Lungen und des Immunsystems, Reduzierung der Stresshormone und nicht zuletzt zur Verlangsamung des altersbedingtes Nachlassen der Hirntätigkeit.

Chinesische Studenten verfielen, nachdem sie fünf Tage lang jeweils zwanzig Minuten meditiert hatten, weniger leicht in Angst, Depression oder Wut als die Kontrollgruppe, die nicht meditiert hatte. [6]

Nicht zuletzt ist nachweisbar, dass sich das Gehirn durch die Achtsamkeitspraxis physiologisch verändert.

So erweitern Sie Ihre Möglichkeiten, Situationen im Leben zu bewältigen. Dadurch wird automatisch Ihr Handlungsspielraum grösser. Sie lernen, auf Situationen klug und situationsgerecht einzugehen, statt nur aus alten Mustern heraus zu reagieren. Dieser erweiterte Entscheidungsspielraum gibt Ihnen letztlich das Gefühl, Ihr Leben soweit wie möglich unter Kontrolle zu haben. Sie steuern Ihr Leben und die Tatsache, dass Sie selbst entscheiden, reduziert Stress. [7]

D.h. jeder einzelne kann durch seine tägliche Achtsamkeitspraxis (und hier ist nicht nur das formelle Praktizieren sprich Meditieren gemeint, sondern generell die Grundhaltung mit welcher man durch die Welt geht) und den daraus entstehenden Auswirkungen (erhöhtes Wohlbefinden, Ausgeglichenheit, weniger Krankheitsausfälle, effizienteres Arbeiten, erhöhte Produktivität etc.) einen nachhaltigen und wirkungsvollen Beitrag für sein Wohlbefinden sowie als Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg leisten. Voilà, was will man mehr?!

Nicht verpassen: Teil 2 folgt per 17. April 2018, u.a. mit dem Praxisbeispiel „Mindset von CYP“



[1] CYP bedient sich für die eigene Unternehmensentwicklung verschiedenster Theorien und Modelle. Bspw. erachten wir Prof. Dr. Carsten C. Schermulys Definition des Psychologischen Empowerments mit den Eckpfeilern Kompetenz, Bedeutsamkeit, Einfluss und Selbstbestimmung als eine der erstrebenswerten Visionen auf dem Weg zur eigenen Version von Netzwerkorganisation. Keine Ahnung was damit gemeint ist? Hier erfahren Sie mehr.
[2] Hess, H. (Hrsg.). (2011). Erzählbar – 111 Top-Geschichten für den professionellen Einsatz in Seminar und Coaching, 3. Auflage. managerSeminare Verlags GmbH: Bonn, Seite 196
[3] Taleb, N. (2013). Antifragilität – Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen, 1. Auflage. Knaus Verlag: München
[4] Coachingzentrum Olten (2015). Achtsamkeit, V.2.1 aus dem Modul „Resilienz entdecken“ im CAS Resilienztraining.
[5] Acton Smith, M. (2016). Calm – Gelassen werden und die Welt verändern, 1. Auflage. Knauer Verlag: München, Seite 3
[6] Acton Smith, M. (2016). Calm – Gelassen werden und die Welt verändern, 1. Auflage. Knauer Verlag: München, Seite 3
[7] Kabat-Zinn, J. (2010). Im Alltag Ruhe finden – Meditationen für ein gelassenes Leben, erweiterte Ausgabe. Knaur: München, Seite 19 + 23