Zurück auf die Matte – wenn auch nur für einen Tag

Wie alles begann

Eigentlich weiss ich gar nicht mehr so genau, wie es dazu kam. Ich glaube es war in einer Diskussion mit unserem Personalentwicklungsverantwortlichen, bei der ich mich dazu entschlossen habe, wieder einmal zu unterrichten – nach 7 Jahren Abstinenz. Ich wollte wieder einmal spüren wie es sich anfühlt, diese Tätigkeit, welche ich so sehr geliebt habe, auszuüben. Um ein Unternehmen erfolgreich zu leiten, sollte man nie vergessen, wie es ist die Kernaufgaben auszuüben und wo die Knackpunkte liegen. Also, auf geht’s…

Vorbereitung – Wo ist das Passwort?

Das Datum wurde fixiert, das Team zusammengestellt. Sogleich setzte ich mich hinter die Kursunterlagen und machte mir meine Gedanken zur Umsetzung des Kurses. Was steht in den Leitfäden für die Ausbilder? Vieles passte, aber mir erschien nicht alles so plausibel.

Deshalb ging es dann im Briefing mit meinen Kollegen nicht nur darum, die verschiedenen Sequenzen untereinander aufzuteilen, sondern auch die Umsetzung zu diskutieren. Da gab es doch einige Punkte, die ich aus meiner pädagogischen Warte unbedingt einfliessen lassen wollte. Mein Feuer war entfacht und ich wollte den Kurs so lernförderlich wie auch nur irgendwie möglich gestalten. Es entstand eine spannende und wertvolle Diskussion bezüglich der Umsetzung und wir fanden gemeinsam gute Lösungen.

Die pädagogisch-didaktischen Überlegen waren das eine, die Auffrischung des Fachwissens das andere, was es in der Vorbereitung zu erledigen galt. Der Knackpunkt lag aber ganz wo anders: „Wo genau sind meine Zugriffsdaten für die Lernplattform und wie kann ich die Teilnehmerlisten schon wieder herunterladen?“ Die Hilfe kam schnell…merci.

Kurstag – Einfach drauflos und mein Bestes geben

Früh am Morgen aufstehen und an den Kursort fahren? Da ging ich doch lieber am Vorabend ins Hotel und war somit frisch und munter um 07:30 Uhr bereits am Präsentationen anpassen im Kursraum in Bern.

„Ich freue mich riesig! Nervös bin ich nicht, ich muss ja schliesslich auch nicht so gut sein, wie meine beiden Kollegen. Sie erledigen heute ihr tägliches Geschäft, sie sind routiniert. Für mich gilt: Einfach drauflos und mein Bestes geben.“

Dies war meine Antwort auf die Frage nach meiner Gefühlslage. Diese Gefühlslage teilte ich auch den Lernenden bei der Begrüssung ungefiltert mit. Nach meinem Statement „Ich freu mich wie ä Moore“ ging es auch schon los…

 

…und irgendwie war dann auch schon plötzlich Mittagspause. Die Zeit verging wie im Flug.

Es war wirklich ein tolles Gefühl, wieder „auf der Matte zu stehen.“ Lediglich meine Beine waren da nicht einig mit mir. Sie waren es sich einfach nicht mehr gewohnt, so lange zu stehen.

Pause also. Aber mit Beine hochlagern war nichts, ich musste noch Instruktionen für die Nachmittagssequenz auf einen Flip schreiben und die Details dazu genauer anschauen. Schliesslich muss man an viele Punkte gleichzeitig denken, wenn man einen Kurs gibt. Was geschieht als nächstes, wie gebe ich die Aufträge, was benötigen die Teilnehmer in der Lernprozessbegleitung und wo ist der Teilnehmer, welchem ich am Abend ein detailliertes Feedbackmail schreibe? Die Ausbildertätigkeit bei CYP ist wirklich vielschichtig. Klar wusste ich das, aber so präsent hatte ich es doch nicht mehr. Gut, dass ich dies wieder einmal am eigenen Leib erfahren durfte.

Auch der Nachmittag verging wie im Flug. Ich fand einen guten Zugang zu den Teilnehmern und die Lernprozessbegleitung machte mir wirklich Spass. Ich bin fast ein wenig stolz, wie gut ich den Mix zwischen „fachlich antworten“ und „zur Lösungsfindung anleiten“ fand.

Aber da war doch noch etwas? Ach ja, wieder ein Systemzugriff, der mir entfallen war. Wie genau dokumentiert man Reflexionseinträge der Lernenden, wo erfasse ich das? Und wenn wir schon dabei sind, wie läuft dies genau mit diesen Feedbackmails an die Teilnehmenden? Gut, dass ich Unterstützung vor Ort hatte und mich nach dem Kurs diesen Dingen widmen konnte.

Fazit – Immer wieder gerne

„Immer wieder gerne!“ Meine Antwort auf die Frage, ob ich wieder unterrichten werde, war schnell gefunden. Das Unterrichten im Team, die Lernatmosphäre und das Gefühl, welches man empfindet, wenn man merkt, dass bei einem Lernenden der „20er heruntergefallen ist“. Dies sind meine Highlights des Kurstages.

Es war aber auch gut zu merken, dass es nicht immer so einfach ist, wenn man einen Kurs unterrichtet, welcher nicht der eigenen Logik und den eigenen Gedankengängen entspricht. Dies ist jedoch das tägliche Brot der Ausbilder am CYP und sie machen das toll.

Wieder unterrichten? Erleben, was die Herausforderungen an der Basis sind? Unerlässlich für eine Führungskraft. Deshalb mein Aufruf an alle Leiter von Bildungsinstitutionen, Schulen: Zurück auf die Matte, und wenn es nur für einen Tag ist!

 

(Hinweis: R. Zimmermann hat A. Böniger am Kurstag und in der Vor- bzw. Nachbereitung begleitet. Der Blog ist aus der Perspektive eines Ich-Erzählers verfasst.)

Raphael Zimmermann

Raphael Zimmermann

Lead HR Development
Member of Management Board

raphael.zimmermann[at]cyp.ch

TOP