Webinar – die bessere Präsenzveranstaltung?

Webinar – die bessere Präsenzveranstaltung?

Oft wird die Aussage gemacht, dass - dank der Technologie - Präsenzveranstaltung nicht mehr notwendig seien, diese könnten komplett durch Webinare ersetzt werden. Stimmt diese Aussage bzw. wo liegen die Vor- und Nachteile der beiden Vermittlungsmethoden?

Ein Blick in Wikipedia sagt hierzu: Ein Webinar oder Web-Seminar ist ein Seminar, das über das World Wide Web gehalten wird. Der Neologismus Webinar ist ein Portmanteauwort aus den Wörtern Web (von World Wide Web) und Seminar sowie seit 2003 beim Deutschen Patent- und Markenamt als Wortmarke eingetragen. [1]

Also ist ein Webinar identisch mit einem Seminar? Bei genauerer Betrachtung können folgende Unterschiede zu einem Präsenzveranstaltung (oder Seminar) festgestellt werden:

  • Man sieht die Teilnehmenden kaum. Die intuitive Menschenkenntnis kann deshalb nicht eingesetzt werden.
  • Das Fehlen des Blickkontaktes mit den Teilnehmenden bewirkt eine gewisse Orientierungslosigkeit.
  • Die Unsichtbarkeit der Teilnehmenden: Wir wissen nicht, was die Teilnehmenden machen (aus dem Fenster schauen oder ob sie aktiv dabei sind etc.). Sowohl eine Aktivierung wie auch das Erkennen, ob alle Teilnehmer noch aktiv dabei sind, ist schwieriger. Deshalb ist eine gezielte Aktivierung in einem Webinar umso wichtiger.
  • Vertieftere technische Kompetenzen, sowohl der Lehrperson wie auch der Teilnehmenden, sind notwendig. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich jeder auf Anhieb in einem Webinar entsprechend zurecht findet. Technische Herausforderungen halten deshalb den Teilnehmenden vom Lernen ab.

Webinar

Diese Punkte zeigen, dass eine eins-zu-eins Adaption einer bestehenden Präsenzkursveranstaltung noch kein erfolgreiches Webinar macht. Aus der Praxis von CYP haben sich folgende Erfolgsfaktoren und Tipps für ein erfolgreiches Webinar ergeben:

  • maximale Dauer eines Webinars: 45 - 60 Minuten. Je länger das Webinar dauert, desto mehr lässt die Konzentration und die Aufmerksamkeit nach.
  • Wichtig sind Interaktionen zwischen der Webinarleitung und den Teilnehmenden. Die Teilnehmenden können durch verschiedene Möglichkeiten aktiviert und involviert werden:
    • Einfache Teilnehmervorstellung durch z.B. das Markieren des jetzigen Standorts auf einer Karte.
    • Quiz/Umfrage, welche gleich online ausgefüllt wird. Die Resultate werden anschliessend besprochen.
    • Brainstorming an einem Whiteboard – Webinarleitung strukturiert die Beiträge
    • Austausch unter den Webinarteilnehmenden durch Mikrofonfreigabe
    • Möglichkeit des Fragestellens über eine Chatfunktion
    • alle 3 - 5 Minuten ein Feedback von den TN einholen
    • etc.
  • Das Webinar muss den Medienkompetenzen der Teilnehmer angepasst sein.
  • Inhalte visualisieren - mehr Bilder anstatt Texte. Bei Text liest man und hört nicht mehr zu.
  • Bei Präsenzkursen kann man sich nicht unauffällig aus dem Raum begeben, wenn die Präsentation langweilig ist. Im Webinar fällt es kaum auf, wenn ein Teilnehmender nicht mehr aktiv dabei ist – ausser die Interaktion wird eingefordert.

Präsenzkursveranstaltungen haben weiterhin ihre Daseins-Berechtigung. Trotz aller Technik kann in einem Webinar kaum die gleiche Interaktionstiefe mit den Teilnehmern bewirkt werden, wie in einer Präsenzveranstaltung. Auch bieten Präsenzkursveranstaltungen eine gute Plattform für handlungsorientiertes Lernen. Doch auch Webinare können sinnvoll eingesetzt werden, vor allem wenn es um die Vermittlung von Fachinhalten geht, welche kurz und prägnant übermittelt werden müssen.

Haben wir Ihre Lust an Webinaren geweckt? Gerne zeigen wir Ihnen die Möglichkeiten auf, wie auch Sie dieses Tool nachhaltig bei sich einsetzen können.

Roy Franke

Roy Franke

Lead Digital Field, Research & Development
Member of Management Board

roy.franke[at]cyp.ch



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