Selbstführung - Wir sind dran!

Netzwerk CYP

Haben Sie es auch schon bemerkt? In der Führung. Hören Sie einmal genau hin. Da gibt es immer öfters Stimmen und zwar nicht nur auf ausgewählten Führungsblogs und in ebensolchen Seminaren, sondern versteckt im Alltag, in Tageszeitungen, in Fernsehbeiträgen. Den Chef braucht es nicht mehr. Shared Leadership, Self Leadership, Holocracy und Netzwerken, das ist die Zukunft. Was?! Sie sind immer noch streng hierarchisch geführt? Alles läuft über den Tisch Ihres Vorgesetzten? Sie können gar nicht selber entscheiden? Tja, da prallen zwei Welten aufeinander. Die eine fördert die Macht und das alleinige Recht auf Informationen, bei der anderen muss Macht bewusst abgegeben werden, um überhaupt funktionieren zu können. In der zweiten Welt lebt man nach dem Credo: Die Person, die zum aktuellen Zeitpunkt, im aktuellen Thema das aktuellste Know-how hat, übernimmt die Führung. Wenn wir ehrlich sind, dass kann in den seltensten Fällen der Vorgesetzte, der Bereichsleiter oder ein CEO sein. Können sie ja auch gar nicht, denn sie sind nicht mehr so tief im Tagesgeschäft wie ihre Mitarbeitenden. Und wenn doch, dann werden ihre Kompetenzen, Stärken und vor allem ihre Zeit am falschen Ort eingesetzt. Jetzt glauben Sie ja nicht, dass mir das nicht auch passiert. Jeden Tag aufs Neue und immer wieder. Leider. Mikromanagement nennt man dies. Aber, bei uns, sprich bei CYP versuchen wir die Themen "Selbstführung" und "Netzwerk" aktiv umzusetzen. Unsere Erfahrungen mit diesen Themen möchte ich Ihnen in diesem Blog ungeschminkt und realitätsnah weitergeben. Ich lade Sie ein, mit mir zusammen in eine andere, nicht immer einfache, aber sehr spannende Art der Führung einzutauchen. Zuerst aber...

...ein kleiner Vorbereitungsauftrag

Eines möchte ich vorausschicken: Bevor Sie diesen Blogartikel lesen, empfehle ich Ihnen, sich vorgängig einen kurzen Überblick über CYP zu verschaffen. Was tun wir, wie funktionieren wir und was sind unsere USPs (Unique selling propositions oder auf Deutsch "Alleinstellungsmerkmale" oder "Wettbewerbsvorteile"). Diese Informationen finden Sie unter cyp.ch. Genauso wie unsere Schulungsangebote, baue ich mit diesem Artikel auf Ihrer Vorbereitung und Ihrem CYP Vorwissen auf.  

Mit ein bisschen Stolz...

...darf ich sagen, dass ich mich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem CYP Management Board seit Sommer letzten Jahres (2015) selbstgeführt in unserem CYP-Netzwerk (cyp.ch/ueber-uns/teams) tummle. Und tummeln trifft es ziemlich genau. Auf der einen Seite bin ich täglich mit den Fragen konfrontiert, wer wohin gehört, wofür welche Person zuständig ist und wer als Entscheidungsträger agiert. Zudem ist das Informationsmanagement eine Herausforderung. Auf der anderen Seite findet kein hierarchisches Treppenlaufen statt. Ich profitiere von kurzen Diskussion- und Entscheidungswegen, kann Ideen diskutieren (oder "sounden" - momentanes CYP "Unwort") und umsetzen, frei nach dem Motto "Turn Limits into Milestones". Klingt abgedroschen? Vielleicht. Wird aber bei uns so gemacht. Einfach? Nein. Herausfordernd und befriedigend? Ja - und wie! Aber der Reihe nach.

Ein kleiner Rückblick und der erste Schritt - Selbstführung und Wirkungskreise

Beim Erstellen der Strategie 2015-17 hat das CYP Management erkannt, dass CYP vielen äusseren Einflüssen unterliegt, die schwer abzuschätzen sind und sich ständig ändern können. Zudem wollten wir unser Angebot für die Lernenden weiterentwickeln und auf die nächste Stufe anheben, also upgraden (darum: Connected Learning Upgrade, kurz CLU). Wir erkannten, dass wir dazu agile Teams brauchen, deren Mitgliedern ihre Kompetenzen in verschiedenen Themen als Vorarbeit einbringen konnten. Willkommen in der VUKA-Welt (VUKA: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität)! Um alles unter einen Hut bringen zu können, mussten kurze Entscheidungswege und grösstmöglicher Entscheidungsspielraum geschaffen werden. Hier kommt nun das bereits erwähnte Netzwerk ins Spiel. Ab jetzt konnten wir Management Board-Mitglieder uns frei vom Treppengedanken horizontal bzw. querbeet bewegen, mit allen philosophieren, diskutieren, streiten, entwickeln und Projekte umsetzen.

Wirkungskreis

Wir haben dann soviel entwickelt und umgesetzt, dass plötzlich niemand mehr wusste, woran die anderen eigentlich genau arbeiten. Oft stellte man fest, dass jemand am gleichen Thema arbeitet und/oder sich einfach leicht "angesäuert" fragte: "Ähh, warum weiss ich nichts davon und wieso entscheiden die, wie man es macht und nicht ich, schliesslich ist das mein Thema!" Sie denken jetzt sicher, dass dies irgendwie ineffizient ist, und da haben Sie natürlich vollkommen Recht. Es ging also zurück an den runden Tisch, um sich Gedanken zu machen, wie wir hier Abhilfe schaffen können. Dies war die Geburtsstunde der Wirkungskreise. Alle Management-Mitglieder machten sich Gedanken, wo sie ihren persönlichen Wirkungskreis im jeweiligen Thema sehen (bis zum Schluss waren es 31 Themen) und welche Rolle sie dabei einnehmen. Dies wurde anschliessend im Rahmen eines Workshops (aus)diskutiert. Die nebenstehende Grafik ist das Resultat zum Thema "Führung Umsetzung" in welchem ich als Lead Leadership in der Hauptverantwortung stehe. Da ich nicht der Einzige bin, der bei uns Mitarbeitende führt, musste ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Thema auch "wirken", also Mitarbeitende führen und dabei und auch Entscheidungen treffen, zur Diskussion an den runden Tisch. Wir haben die verschiedenen Sichtweisen und Argumente ausgelotet, so dass die kurzen Entscheidungswege und der Entscheidungsspielraum gewahrt bleiben. 

Übrigens, alle 31 Themenplakate sind transparent auf unserem Intranet für alle Mitarbeitenden einsehbar. So haben alle die Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen wie Themen bei uns eingebettet und betreut sind. Zudem bilden die Wirkungskreise die Basis unseres Netzwerk-Organigramms.

Der zweite Schritt - Die CYP Senior Ausbilder

Und jetzt, alles fertig? Nein. Nun ging die Sache erst richtig los. Wir wollten ja nicht einfach im Management mit den Themen "Netzwerk", "Selbstführung" und "Wirkungskreis" aufhören, sondern alle CYP Mitarbeitenden damit "imprägnieren". Sehr schnell war klar, dass wir das nicht mit dem Giesskannen-Prinzip machen konnten. Also wählten wir unsere Senior Ausbilder als nächste Zielgruppe aus. Als CYP Ausbildende sind sie gewohnt, an den Präsenzkurstagen als Teil eines agilen Teams unterwegs zu sein. Zudem sind sie unsere "Multiplikatoren", die Management-Themen in den Ausbilderteams vertreten. Zusätzlich haben sie eine "Vorbildfunktion" gegenüber den anderen Ausbildenden in allen Themen rund um die Ausbilderfunktion. Wenn es in einem Team an einem Tag einmal "hart auf hart" kommen sollte, haben sie zudem die Kompetenz einen "Stichentscheid" zu fällen. Sie waren somit eine ideale Mitarbeitenden-Gruppe zum Erklimmen der 2. Selbstführungs-Stufe. Ich habe dann ein Konzept zur Selbstführung der Senior AUB entwickelt. Das Konzept basiert unter anderem auf der Bachelorarbeit einer ehemaligen CYP Mitarbeitenden die sich mit der Frage der Selbstführung in unserer Firma beschäftigt hat.

Im Herbst des letzten Jahres habe ich in der Funktion als Lead Leadership zusammen mit unserer CEO, Alexia Böniger das Konzept mit den Senior AUB diskutiert und wir haben uns alle zusammen darauf geeinigt, dass wir sofort mit der Umsetzung beginnen. Seither sind auch die Senior Ausbilder soweit als möglich selbstgeführt unterwegs. Ihre Entscheidungen halten sie in einem für mich einsehbaren Logbuch fest. Im April dieses Jahres haben wir im zweimal jährlich stattfindenden Senior Ausbilder-Meeting gemeinsam die bereits weiter oben erwähnten Wirkungskreise aus der Perspektive der CYP Senior Ausbilder-Funktion genauer beleuchtet. Wir haben dazu jedoch nicht alle 31 Themen betrachtet. Strategische Themen haben wir aussen vor gelassen, da die Senior Ausbilder aufgrund ihrer Funktion keine strategischen Aufgaben und Kompetenzen haben. Bei der Betrachtung hat sich herausgestellt, dass sich die Senior Ausbilder noch nicht bei jedem Thema im Klaren waren, welchen Einfluss sie haben bzw. sie ausüben können. Hier haben wir nun etwas Licht ins Dunkel gebracht und generierten bereits den einen oder anderen proaktiven Input von ihrer Seite. Sie hatten zum Beispiel die Idee einer Anpassung der CYP Feedback-Kultur, da wir hier noch nach über zehn Jahre alten Grundsätzen und Prozessen verfahren, die inzwischen nicht mehr alle zum aktuellen CYP Mindset passen. Solche Inputs freuen mich natürlich sehr, da dies die ersten Früchte der Selbstführung sind.

Der dritte Schritt - alle CYP Mitarbeitenden 

Bereits im November 2015 sind wir noch einen Schritt weitergegangen und haben am monatlich stattfindenden zweistündigen Fachklub das Thema "Selbstführung" zusammen mit allen CYP Mitarbeitenden aufgenommen. Es ging um drei wesentliche Punkte:

  1. Allen Mitarbeitenden aufzuzeigen, wo wir in diesem Thema stehen. 
  2. Sie zu sensibilisieren, wo CYP bereits Instrumente einsetzt, die die Selbststeuerung unterstützen.
  3. Die Mitarbeitenden aufzufordern, aktiv in ihrem Arbeitsalltag zusammen mit den Vorgesetzten nach mehr Möglichkeiten zur Selbstführung zu suchen und wo immer möglich umzusetzen.

Selbstführung und die technischen Möglichkeiten

Auch technisch versuchen wir die heutigen Möglichkeiten zu nutzen. So haben wir in diesem Jahr (2016) angefangen unsere monatlich stattfindenden Firmen-Meetings zu filmen und damit den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, diese live zu streamen und zwar via PC, Tablet und via Smartphone. Selbstverständlich ist auch die Interaktion im Live-Stream via Chat-Funktion jederzeit gegeben. Gleichzeitig werden die Meetings aufgezeichnet, so das Mitarbeitende die z.B. in den Ferien sind oder unterrichten, sich alles 1:1, wann immer sie wollen anschauen können. Damit bieten wir den Mitarbeitenden die Möglichkeit, selber zu entscheiden, ob sie vor Ort in den CYP-Räumlichkeiten dem Meeting beiwohnen oder ob sie das Meeting live oder zeitlich versetzt über digitale Kanäle anschauen. Auch dies ist ein weiterer Schritt Richtung Selbststeuerung.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen den Blog-Artikel meines Kollegen Raphael Zimmermann "Darf ich vorstellen: Mein Büro" sehr ans Herz legen. Er hat in meinen Augen das Thema "CYP und Home Office" sehr treffend auf den Punkt gebracht. Denn, flexibles Arbeiten ist für die Umsetzung von Selbstführung ebenfalls ein zentraler Eckpfeiler.

Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht immer oder noch nicht ganz...

Das mag ihnen jetzt alles (hoffentlich) sehr spannend und reibungslos erscheinend. Spannend ist es auf jeden Fall, aber auf keinen Fall reibungslos. Die Themen "Loslassen", "Macht abgeben", "Nicht immer alles wissen zu können und wissen zu müssen", fordern uns täglich aufs Neue heraus. Ein kleines Beispiel: Letztens hat mein Kollege aus der Personalentwicklung zusammen mit meiner Mitarbeitenden beschlossen, dass sie ihr Pensum nun doch nicht auf 60% erhöht, sondern bei 50% bleibt - ohne mich in den Dialog einzubeziehen. Undenkbar? Für mich ist das Vorgehen logisch. Mein Kollege von der Personalentwicklung hat die Verantwortung über die Ressourcen und meine Mitarbeitende das Bedürfnis ihr Pensum zu ändern. Warum soll ich dort als "Durchlauferhitzer" fungieren? Es reicht doch, wenn sie mir den Entscheid nachträglich mitteilen, oder? Was ist der Nutzen, wenn wir das zu dritt besprechen oder noch schlimmer, wenn es von meiner Mitarbeitenden zu mir und von mir zur Personalentwicklung geht? Wir wollen Hierarchien abbauen und dass sind in meinen Augen die richtigen Schritte dazu.

Hinzu kommt, dass noch lange nicht alle Mitarbeitenden von sich aus unproduktive Prozesse ansprechen oder eigene Ideen und proaktiv Lösungen entwickeln. Viele erwarten immer noch, dass das Management die Aufträge verteilt und es ihre Aufgabe ist, diese so schnell und so genau wie möglich abzuarbeiten. Dies mag im Grundsatz wohl so sein, aber dazwischen darf man sich als Mitarbeitende auch Gedanken zur Vereinfachung und/oder Optimierung dieser Prozessen machen. Oder warum soll sich jemand aus unserem Empfangs-Team nicht auch Gedanken zu neuen Marketingmöglichkeiten machen und diese direkt bei der betreffenden Stelle und nicht über den Vorgesetzten platzieren dürfen? Auch sind noch nicht alle Bereiche auf dem gleichen Stand in Sachen Selbstführung.

Hier wird es sehr herausfordernd sein, bereits geplante neue Ideen und Möglichkeiten im Bereich Selbstführung so umzusetzen, dass nicht gleichzeitig einzelne Regionen, Bereiche, Vorgesetzte und Mitarbeitende auf diesem Weg vergessen werden. Auch daran arbeiten wir. Wie erfolgreich wir dabei sein werden, zeige ich Ihnen gerne zu gegebener Zeit hier an diesem Ort auf. Offen, ehrlich und transparent - halt im CYP Stil. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung und Sie hoffentlich auch...

Armin Eyer

Armin Eyer

Lead Leadership
Member of Management Board

armin.eyer[at]cyp.ch

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