SAMR Modell

SAMR

Digitale Medien sollen im Unterricht eingesetzt werden; die Schule 2.0, 3.0 oder sogar 4.0; die Digitalisierung an den Schulen muss forciert werden, etc. Solche Argumente und Schlagzeilen hört man heutzutage fast schon täglich in den einschlägigen Medien.
Auch Lehrpersonen sind dem Einsatz von digitalen Medien nicht immer abgeneigt. Im Gegenteil, oft konnte ich sogar beobachten, wie gross das Interesse bei Lehrpersonen wurde, stundenlang im App-Store nach verschiedenen Apps zu suchen und diese auszuprobieren. Es war dann meistens naheliegend, sich zu überlegen, wie der Unterricht gestaltet werden kann, damit der Einsatz der gerade gefundenen App gerechtfertigt sei. Aber ist dies wirklich der richtige Weg? Oder gibt es nicht einen anderen Ansatz, mit welchem wirklich ein Mehrwert dank digitalen Medien im Unterricht generiert werden kann?

Das SAMR Modell wurde von Dr. Ruben Puentedura von Hippasus entwickelt. Die Abkürzung steht für The Substitution Augmentation Modification Redefinition Model.

Mit diesem Modell soll nicht nur ein Mehrwert generiert werden, sondern auch aufgezeigt werden, was die Vorzüge des Einsatzes von digitalen im Vgl. zu analogen Medien sind – oder wo es vielleicht auch gar keinen Sinn macht.

Das Modell ist in vier Stufen aufgebaut:

Substitution

Auf der ersten Stufe ersetzt das digitale Medien einfach ein analoges, es wird also kein Mehrwert im Vergleich zum analogen Medium erzielt. Anstatt dass eine Übung auf Papier ausgefüllt wird, wird sie auf einem PDF ausgefüllt. Oder anstatt seine Lernnotizen in ein Notizbuch zu schreiben, werden diese einfach digital festgehalten. Abgesehen davon, dass man Anschaffungskosten in der IT hat, hat sich aber im Unterricht dadurch nicht viel geändert.

Erweiterung

Auf der zweiten Stufe kann eine Aufgabe schon erweitert werden. Anstatt also dass man nur die Notizen digital erfasst, kann man jetzt aber auch Texte ausschneiden, kopieren und verschieben. Oder aber man kann in den Notiztext multimediale Inhalte einfügen wie z.B. Bilder, Videos, Links, etc.

Ein anderes Beispiel wäre das Einholen von Feedback: hier könnte ein Tool wie Google Forms zum Einsatz kommen. Nebst dem Einsparen von Papier erhält man das Feedback gleich sofort, auch schon entsprechend kategorisiert und ausgewertet.

Modifikation

Auf der dritten Stufe, der Modifikation, werden analoge Aufgaben so gestellt, dass sie ohne Einsatz von digitalen Medien gar nicht mehr möglich wären. So könnte man einen Arbeitsprozess nicht nur schriftlich festhalten, sondern gleich mit Erklärungsvideos anreichern. Auch das kooperative Arbeiten spielt hier rein, so dass z.B. mit Google Docs eine Schülergruppe gleichzeitig, ortsunabhängig gemeinsam ein Dokument bearbeiten können.

Neudefinierung

Auf der letzten Stufe, der Neudefinierung, werden ganz neue didaktische Settings ermöglich – dank den digitalen Medien. Hier könnte eine Umsetzungsidee das Erstellen von Erklärvideos sein – hier sind sowohl fachliche Kompetenzen gefragt (wie kann ich ein fachliches Thema in nur 3 Minuten Filmdauer klar darstellen und erklären), aber auch Medienkompetenzen (wie erstelle und schneide ich einen Erklärfilm). Ein Umsetzungsbeispiel könnte so aussehen.

Fazit

Wichtig ist es, dass man sich beim dem Anreichern von Unterichtssequenzen mit digitalen Medien immer der Frage bewusst ist, wo ein Mehrwert erzielt wird. Genau hier bietet das SAMR-Modell Unterstützung an. Die erste Stufe, Substitution, ist schnell erreicht und man ist dann verleitet, anzunehmen, schon wirklich digital unterwegs zu sein. Mindestens auf der zweiten Stufe, Erweiterung, sollte man sich immer bewegen, damit der Einsatz auch gerechtfertigt ist.
Oftmals kommt es nun auch schon vor, dass Lernende die digitalen Medien (z.B. Tablets) für den Unterricht benutzen möchten, aber der Unterricht hierzu nicht ausgelegt ist. Genau hier sollten also die Lehrpersonen mit diesem SAMR sensibilisiert werden und die sich neu ergebenden Möglichkeiten entsprechend berücksichtigen.

Roy Franke

Roy Franke

Lead Digital Field, Research & Development
Member of Management Board

roy.franke[at]cyp.ch

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